Wenn bei Kindern das Wort „Hoffnung“ nur ein „f“ hat

Wenn bei Kindern das Wort „Hoffnung“ nur ein „f“ hat

München, 15. April 2015

Die Sabel Realschule nimmt sich dieser Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwäche und auch mit Dyskalkulie an. Fast 40 Prozent ihrer Schüler sind betroffen. Allerdings sind sie im Klassenverband mit allen nichtbetroffenen Schülern integriert, schreiben wie sie die Prüfungen, erhalten jedoch mehr Zeit als die anderen. Das schöne dabei ist, die Mitschüler bleiben sitzen und stehen nicht eher auf, bis alle fertig sind. Das lernen sie bereits ab der 5. Klasse und gehört für sie während ihrer gesamten Schulzeit zum normalen Schulalltag.

Die betroffenen Schülern haben so das Gefühl „richtig dazu zu gehören“ und müssen nicht wie es oft in anderen Schulen passiert, ein „Außenseiterdasein“ fristen. Im Rahmen des rhythmisierten Ganztagesunterricht werden in der Sabel Realschule Schulaufgaben und kleine Leistungsnachweise nicht nur schriftlich gestellt, sondern grundsätzlich auch vorgelesen. In der fünften bis siebten Klasse gibt es eine erhöhte Stundenzahl in Deutsch und Englisch, dazu kommen noch drei Förderstunden. In der 5. und 6. Klasse sind Lernbegleiter im Unterricht dabei, um mit den betroffenen Kindern den Lehrstoff später zu vertiefen und sie bei den Hausaufgaben zu begleiten.

Alles eine Frage der Motivation? Kreativförderprojekte wie die Produktion von Filmen im eigenen Filmstudio oder eines Audioguides für das Museum Brandhorst, die Arbeit mit Theaterpädagogen vom Residenztheater und eine eigene Online-Zeitschrift fördern die Lese- und Schreiblust der Kinder. Sie lernen so voller Enthusiasmus genau auf dem Gebiet zu arbeiten, wo sie schon sehr viel Frust erlebt haben.

Mit optimalem Training und rechtzeitiger Förderung könne man die Lese- und Rechtschreibschwäche auf ein unauffälliges Niveau senken, davon ist Annette Berger, Schulleiterin der Sabel Realschule tief überzeugt. Für die Region einzigartig ist unser direkt in die Schule integriertes LegaCenter. Hier erhalten unsere betroffenen Schüler in Abstimmung mit dem Lehrplan der Realschule und in Rücksprache mit den dortigen Fachlehrern im Rahmen des Ganztagesunterrichts Gruppen- oder Einzel-Therapien aber auch Rechtschreibtrainings.“ Ein weiterer großer Vorteil für die Betroffenen: Sie müssen nicht nach einem langen, anstrengenden Schultag ein externen Therapiezentrum besuchen, was sonst normalerweise auf den Spätnachmittag oder sogar in den Abend fallen würde.

„Unsere Kinder sind auffallend gut in den Naturwissenschaften und in Kunst,“ sagt sie. „Meist sind sie mit hoher sozialer Kompetenz ausgestattet und haben gelernt, nicht locker zu lassen und sich durchzubeißen. „Und Geduld“, betont Berger, „das brauchen wir alle, Kinder, Eltern und Lehrkräfte, nicht aufgeben und loben in dem was sie gut machen, kurz gesagt ihr Selbstbewusstsein stärken“. Das Unterricht so funktionieren kann, beweist die 100%-ige Bestehensquote der Realschule im Schuljahr 2013/14.